WG-Casting für Anfänger

Eine Wohngemeinschaft ist…wenn der Kühlschrank immer leer ist…das Badezimmer immer besetzt ist…sich keiner für den Müll verantwortlich fühlt…immer alle dann feiern, wenn ich lernen will…Big Brother, nur ohne Kameras.

Und trotzdem ist der Kampf um ein WG-Zimmer härter denn je. Mitten im Szene-Viertel, in der großen Altbauwohnung sitzen die drei Entscheider auf der zerfetzten Couch in der Küche – die Jury. Gegenüber im 15-Minuten-Takt die Bewerber – die potenziellen Mitbewohner. Die Situation ist skurril und erinnert an ein Assessment-Center oder ein Casting, bei der sich der Kandidat bestmöglich in Szene setzen und eine Performance liefern muss. Hier ein paar Tipps, um die WG-Jury von sich zu überzeugen. Denn mit prüfenden Blicken fragen sie: „Warum sollten wir ausgerechnet DICH nehmen?“

1. Keine Schleimtour! „Zum Casting Plunderteilchen, Bier, Joints oder sonstiges Bestechungsmaterial mitzubringen ist streng verboten. Der Konsum natürlich nicht.“ (Zitiert: Zeit Campus)

2. Anzeige richtig lesen! Das erspart langweilige Besichtigungen mit irgendwelchen Freaks. Hier ein paar Formulierungen und was sie wirklich heißen:

Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen…
Bedeutet: Du solltest Künstler sein, ausgefallene Hobbys vorweisen können oder wenigstens eine selbst gehäkelte Mütze tragen.

Gemütliches kleines Zimmerchen zur Zwischenmiete zu vergeben…
Bedeutet: Wir brauchen Geld und vermieten deswegen unsere Abstellkammer. Im Keller müsste noch eine Matratze liegen.

Abends sind wir gern alle in der Küche, spielen und quatschen…
Bedeutet: Wer seine Zimmertür zumacht, ist asozial.

Ich ziehe wegen der Arbeit nach Bonn und freue mich auf gemeinsame WG-Aktionen wie Kochen, Spielen oder Kneipentouren…
Bedeutet: Ich kenne keine Sau in der Stadt und bin deswegen dringend auf der Suche nach Anschluss.

Ich finde es gut, wenn jeder darauf achtet, Ordnung zu halten, und habe auch gern mal meine Ruhe…
Bedeutet: Eigentlich würde ich lieber allein wohnen, aber das kann ich mir dummerweise einfach nicht leisten.

Ich studiere Medizin, treibe viel Sport, bin DJ und reise sehr gern…
Bedeutet: Ihr werdet mich kaum bemerken, ich bin eh nie da.
(Zitiert: Zeit Campus)

3. Wichtigste Daten geben lassen! Am besten den Weg zu der Wohnung genau beschreiben lassen und die Handynummer einer der Mitbewohner notieren (falls du den Weg doch nicht findest oder kurzfristig absagen musst).

4. Zeig Interesse und analysiere! Um zu punkten solltest du dir ganz genau die Zimmer der anderen Bewohner anschauen – sie verraten eine ganze Menge! Versuche Anknüpfungspunkte zu finden und guck, ob ihr ähnliche Interessen und Vorstellungen habt. Du musst dich von den anderen Konkurrenten absetzen – also erzähl irgendwelche spannenden Geschichten! Leute, denen man alles aus der Nase ziehen muss, haben keine Chancen!

5. Bitte lügen! Vorher schon mal einige Ausreden parat legen, falls man sofort merkt, dass das nicht passt. Z.B. „Sorry, ich koche nur mit Gas.“ Das erspart allen Zeit und du bist die Freaks los!

6. Auf die Plätze, Spielchen los! Achtung – stell dich auf Psychospielchen ein. Beliebt bei der Jury: Bewerber sollen Bilder von sich selber malen, Steckbriefe und Fragebögen ausfüllen und den großen Spültest bestehen. Andere lassen die Bewerber nicht zum WG-Casting antanzen, sondern laden sie gleich zu einer WG-Party ein. Gut, für die Trinkfesten unter euch!

7. No-Go! Die Eltern, die beste Freundin oder den Partner mitbringen – geht gar nicht. Schließlich will die Jury dich kennenlernen.

8. Ortstermin! Nicht nur die Mitbewohner müssen zu einem passen, auch die Wohnung. Deshalb: Kommt Tageslicht in das Zimmer? Ist das Haus hellhörig? Wie ist es mit Straßenlärm? Am besten einmal morgens und einmal abends vorbeikommen.

9. Der Tag danach! Wenn dich die Mitbewohner und das Zimmer überzeugt haben, melde dich noch einmal (per Mail, SMS, Anruf) und sag, warum du gerne einziehen möchtest.

10. Will ich das auch? Nicht vergessen – auch wenn du eine Zusage bekommst, denk genau drüber nach, ob du in eine WG einziehen willst, wo du erst ein Polaroidfotos von dir machen lassen musstest und die Aufgabe hattest, Fragebögen auszufüllen!

Portale:
http://www.wg-gesucht.de
http://www.studenten-wg.de
http://www.wg-cast.de

Zur Einstimmung: Film „Shoppen“ (Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Omq0lEhBfI8)

(Quellen: „Überleben in der WG“ (Zeit Campus, 01/2011); Tipps von Marburger Bloggerin http://meinmarburg.wordpress.com/2010/02/19/wg-casting-fuer-anfaenger/; Tipps vom WG-Casting-Portal, http://www.wg-cast.de/wg-casting-tipps.php, eigene Erfahrungen)

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